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Editorial

Präsident Kai Ostermann und Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen zum Leasing-Report 2026

Handwerk und Mittelstand brauchen verlässliche Partner

Ein etwas größeres Stück von einem kleineren Kuchen. So lässt sich beschreiben, wie sich 2025 die Leasing-Branche und die Unternehmensinvestitionen in Deutschland entwickelt haben: Die Leasing-Wirtschaft hat ihren Marktanteil ausgebaut, die Mobilien-Leasingquote stieg auf 26,6 Prozent. Aber der Gesamtkuchen schrumpft. Die Unternehmensinvestitionen lagen elf Prozent unter dem Niveau von 2019.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Der Sachverständigenrat erwartet, dass die privaten Ausrüstungsinvestitionen 2026 erneut sinken. Wer nicht weiß, wie sich Energiepreise, Rohstoffkosten und Nachfrage entwickeln, denkt zweimal nach, bevor er investiert. Das ist verständlich, aber ein Land, das zu wenig investiert, veraltet. Der Kapitalstock altert, industrielle Kapazitäten bleiben zurück. Was heute nicht investiert wird, fehlt morgen bei Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung.

Der Mittelstand braucht Leasing und bessere Rahmenbedingungen

83,12 Milliarden Euro hat die Leasing-Wirtschaft 2025 für ihre Kunden realisiert, nominal 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr, preisbereinigt ist das Neugeschäft stabil geblieben. Klassische Produktionsinvestitionen stehen weiter unter Druck. Investiert wurde vor allem in Elektromobilität und Digitalisierung. Leasing funktioniert als Puffer in unsicheren Zeiten: Es ermöglicht Investitionen ohne dauerhafte Liquiditätsbindung, schafft Planbarkeit und reduziert Risiken beim technologischen Wandel. Leasing kann die Hürde senken, wenn ein Unternehmen zögert zu investieren. Unternehmen zum Investieren bringen, die es grundsätzlich nicht wollen, weil ihnen das Vertrauen in den Standort fehlt, kann auch Leasing nicht.

Der Mittelstand braucht daher bessere Rahmenbedingungen. Unternehmen tragen seit Jahren eine Dreifachbelastung: hohe Energiepreise, hohe Steuern und hohe Lohnnebenkosten. Die Steuer- und Abgabenlast muss daher sinken, zudem müssen Bürokratie und Regulierung zurückgebaut werden. Der Bürokratieabbau steht deutlich an der Spitze der Einflussfaktoren.

Die Bundesregierung ist im Mai 2025 mit dem Anspruch angetreten, Deutschland wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Viele Initiativen gehen seither in die richtige Richtung. Was fehlt, ist Tempo und der Mut zu grundlegenden strukturellen Veränderungen.

Reformen, die nur in Kabinettsbeschlüssen existieren, die das Ziel verfolgen, höhere Steuereinnahmen zu generieren, oder nur kleine Einzelmaßnahmen sind, helfen keinem Unternehmen.

Gefragt sind investitions- und mittelstandsfreundliche Gesetze, die tatsächlich ankommen: beim Handwerksbetrieb in Nordrhein-Westfalen, beim Maschinenbauer in Bayern und beim Logistiker in Brandenburg.

Das Handwerk zeigt, worum es geht

Dieser Report richtet den Blick auf das Handwerk, exemplarisch für den gesamten Mittelstand. Der Wirtschaftssektor finanziert traditionell über Eigenmittel. Modernisierung, Digitalisierung, Energieeffizienz und Elektromobilität erfordern Investitionen, die das verfügbare Eigenkapital oft übersteigen. Gleichzeitig verschärfen sich die Kreditbedingungen. Leasing bietet hier eine praktische Antwort: Investitionen ohne dauerhafte Kapitalbindung, mit kalkulierbaren Raten.

Laut ZDH-Sonderumfrage finanzieren drei Viertel der Handwerksbetriebe nachhaltige Investitionen über Eigenmittel. Von denen, die extern finanzieren, nutzen 18 Prozent Leasing. Es ist nach Bankkredit und Fördermitteln die dritthäufigste Finanzierungsform, mit steigendem Anteil bis zu 30 Prozent bei größeren Betrieben. Doch das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.

Ein Grund liegt in der Förderstruktur. Wer least statt kauft, geht bei vielen Programmen leer aus. Denn Voraussetzung für Fördermittel ist zu häufig noch Eigentum statt Nutzung. Das ist weder sachgerecht noch zeitgemäß. Langsam findet jedoch ein Umdenken in der Förderpolitik statt. Neue Bundesprogramme für Elektromobilität und Wasserstoffnutzfahrzeuge schließen Leasing inzwischen ein, einige Bundesländer ziehen nach. Das sind Fortschritte; sie reichen aber nicht. Solange Leasing in der Breitenförderung die Ausnahme bleibt, werden Fördermöglichkeiten nicht ausgeschöpft. Entscheidend muss sein, dass investiert wird, nicht wie finanziert wird.

Entscheidend muss sein, dass investiert wird, nicht wie finanziert wird.

Resilienz: Wenn Schnelligkeit zählt

Förderpolitik ist aber nur ein Teil der Investitionsrealität. Ein anderer wächst gerade spürbar: Unternehmen müssen nicht mehr nur für Wachstum planen, sondern sich auch auf den Ausfall vorbereiten.

Stromausfälle, Lieferkettenunterbrechungen, Produktionsstillstände: Unternehmen denken heute stärker über Störfälle nach als noch vor wenigen Jahren. Geleaste Reservekapazitäten lassen sich schnell und kalkulierbar bereitstellen, ohne dass Kapital dauerhaft gebunden wird.

Laut DIHK-Konjunkturumfrage sehen 30 Prozent der deutschen Industrie Bezüge zur Verteidigungswirtschaft. Zulieferer müssen Kapazitäten hochfahren, oft kurzfristig. Auch Bundeswehr, Polizei, Feuerwehren und das THW haben erheblichen Investitionsbedarf. Klassische Beschaffung ist dafür zu langsam. Leasing ist es nicht. Die Leasing-Wirtschaft steht bereit, diese Entwicklung zu unterstützen und und neue Einsatzfelder zu erschließen.

Berlin, im Juli 2026

Kai Ostermann, Präsident
Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin