Wer least in Deutschland – und warum
Die deutsche Leasing-Wirtschaft hat 2025 Investitionen von 83,12 Milliarden Euro finanziert. 85 Prozent der über zwei Millionen jährlichen Leasing-Verträge in Deutschland werden mit mittelständischen Unternehmen abgeschlossen. Vier von fünf Betrieben ziehen Leasing regelmäßig für Investitionsentscheidungen in Betracht.
Der Grund liegt nicht allein im Finanzierungsmodell: Leasing-Gesellschaften übernehmen Wartung, Schadensmanagement und Verwertung über den gesamten Nutzungszyklus. Das verschafft Unternehmen Planbarkeit und Freiräume für ihr Kerngeschäft. Bei innovativen Technologien reduziert Leasing zudem das Investitionsrisiko.
Nachhaltigkeit finanzieren: 65 Prozent setzen auf Leasing
Wie finanzieren deutsche Unternehmen nachhaltige Investitionen? Am häufigsten wird der Cashflow genutzt. Laut der GIM-Unternehmensbefragung „Leasing in Deutschland 2025“ greift bei einer Fremdfinanzierung die Mehrheit auf Leasing zurück: 65 Prozent der Befragten finanzieren nachhaltige Investitionen über Leasing und damit weit mehr als über Bankkredite.
Besonders bei Elektromobilität und IT-Infrastruktur ist Leasing das bevorzugte Instrument. Viele Unternehmen planen, diesen Anteil weiter auszubauen.
Leasing-Branche bewertet Sustainable Finance mehrheitlich als Geschäftschance
73 Prozent der Institute mit Leasing-Aktivitäten bewerten nachhaltige Finanzierung positiv und sehen darin eine Geschäftschance. Die Branche zeigt größeren Optimismus als der Finanzsektor insgesamt.
Die Leasing-Branche steht Sustainable Finance deutlich aufgeschlossener gegenüber als andere Finanzinstitute. Knapp drei Viertel der Institute mit Leasing-Aktivitäten sehen nachhaltige Finanzierung als Geschäftschance. Im Finanzsektor insgesamt liegt dieser Anteil bei 60 Prozent. Das ist ein zentrales Ergebnis des ESG-Daten-Monitors 2025, einer Sonderauswertung für die Leasing-Branche, die openESG gemeinsam mit Acuity Analytics, CredaRate Solutions und der Frankfurt School of Finance & Management erstellt hat.
Befragt wurden 165 Entscheider und Experten für ESG-bezogenes Risikomanagement in Banken und Finanzinstituten, darunter 41 Institute mit Leasing-Aktivitäten. Die Befragung fand zwischen Juni und Oktober 2025 statt.
„Die Zahlen zeigen, dass die Leasing-Branche ESG nicht primär als Regulierungsaufwand betrachtet, sondern als strategische Chance", sagt Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des BDL. „Wer Investitionsgüter finanziert, sitzt an einem entscheidenden Hebel der wirtschaftlichen Transformation."
Transitionsrisiken werden differenzierter bewertet
Während 64 Prozent der Finanzinstitute insgesamt angeben, dass Transitionsrisiken angesichts der geopolitischen Lage an Bedeutung verloren haben, fällt das Bild bei Leasing-Vertretern anders aus. Nur 54 Prozent teilen diese Einschätzung. Die Branche behält Klimarisiken im Blick, auch wenn das politische Umfeld für Unsicherheit sorgt.
Datenlücke beim Mittelstand bleibt
Doch die Branche steht vor einem strukturellen Problem: Leasing-Gesellschaften bewerten nicht nur Unternehmen, sondern konkrete Investitionsobjekte wie Maschinen, Fahrzeuge, Anlagen oder IT. Dafür braucht es Daten zu Emissionen, Effizienz, Nutzung, Lebensdauer und Verwertbarkeit. Branchenwerte und Schätzungen helfen für den Übergang. Für Risikosteuerung, Refinanzierung und Transformation reichen sie dauerhaft nicht aus.
Als größte Einzelherausforderung nennen Leasing-Vertreter die Verfügbarkeit von Daten, auch wenn sie das Thema im Branchenvergleich etwas weniger kritisch einschätzen als andere Finanzinstitute. Das EU-Omnibus-Paket, das Berichtspflichten für Unternehmen reduziert, dürfte diese Lücke eher vergrößern. Die Auswirkungen auf die eigene Datenerhebung werden zwar als weniger gravierend eingeschätzt als vom Rest des Finanzsektors. Das Risiko, dass künftig weniger Daten aus der Lieferkette verfügbar sind, besteht dennoch.
Leasing-Branche auf eigenem Weg
Die Studie bestätigt: Leasing-Gesellschaften entwickeln eigene ESG-Ansätze, die sich von klassischen Bankmodellen teilweise unterscheiden. Die Branche ist nah am Investitionsobjekt und nah am Kunden. Daraus entsteht ein konkreter Vorteil: bessere Objektdaten, realistischere Risikobewertungen und eine stärkere Rolle bei der Transformation des Mittelstands.
Leasing-Quote auf 26,6 Prozent gestiegen
Wie hoch ist die Leasing-Quote in Deutschland? Laut IW Köln stieg sie 2025 auf 26,6 Prozent – ein Rekordwert. Mehr als ein Viertel aller Ausrüstungsinvestitionen in Fahrzeuge, Maschinen, Anlagen und Betriebsausstattungen wurden über Leasing realisiert. Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen lagen dagegen rund 11 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Pkw-Leasing bleibt mit 65 Prozent Anteil am Neugeschäft das stärkste Segment. Hier konnte Leasing seinen Marktanteil ausbauen. Zwei Drittel aller neu zugelassenen Elektrofahrzeuge kamen 2025 über Leasing auf die Straße.
IT-Leasing legte nach mehreren schwachen Jahren um 9 Prozent zu, getrieben von Nachholeffekten und steigendem Bedarf an digitaler Infrastruktur durch Automatisierung, Effizienzsteigerungen und datengetriebene Anwendungen, zu denen zunehmend auch KI-basierte Lösungen zählen. Produktionsmaschinen gingen dagegen um 5,5 Prozent zurück – ein Spiegel der anhaltenden Investitionszurückhaltung in der deutschen Industrie.
Leasing in der Zeitenwende: Finanzierung für Resilienz und Verteidigung
Kann Leasing die Verteidigungswirtschaft finanzieren? Waffensysteme zwar nicht, aber die Infrastruktur dahinter schon. 30 Prozent der deutschen Industrie hat nach der DIHK-Konjunkturumfrage vom Jahresbeginn 2026 Bezüge zur Verteidigungswirtschaft. Große Rüstungskonzerne arbeiten mit bis zu 10.000 mittelständischen Zulieferern zusammen. Wenn staatliche Aufträge erteilt werden, müssen diese Betriebe ihre Kapazitäten oft innerhalb von Wochen hochfahren, der Cashflow kommt erst Monate später.
Leasingbasierte Finanzierungslösungen können diesen Zeitversatz mit planbaren Raten statt hoher Anfangsinvestition und integrierten Wartungsleistungen überbrücken. Zudem bietet Leasing den strukturellen Vorteil, dass Technologien am Laufzeitende ausgetauscht werden können. Denn Drohnentechnologie und KI-gestützte Systeme veralten in Jahren, nicht Jahrzehnten.
„Leasing ist Geschwindigkeit. Und Geschwindigkeit ist in der Verteidigung entscheidend.“
Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin BDL
EU-Verteidigungsausgaben 2025 (Quelle: Europäische Verteidigungsagentur).
arbeiten für einzelne große Rüstungskonzerne. Ihre Kapazitäten müssen bei Auftragserteilung schnell skalieren.
für Leasing: Resilienzinvestitionen für Unternehmen, Finanzierung der Rüstungszulieferer, Ausstattung von Behörden mit Sicherheitsaufgaben.
Quelle: Europäische Verteidigungsagentur, DIHK-Konjunkturumfrage 2026
Fragen zum Leasing-Markt in Deutschland
Wie hoch ist die Leasing-Quote in Deutschland?
Die Mobilien-Leasingquote lag 2025 bei 26,6 Prozent. Das bedeutet, dass mehr als ein Viertel aller gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungsinvestitionen in Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen über Leasing finanziert wurden. 2024 lag der Wert bei 26,0 Prozent. Quelle: BDL/IW Köln, Stand Mai 2026.
Wie hoch war das Neugeschäft der Leasing-Wirtschaft 2025?
Das Neugeschäftsvolumen von Leasing und Mietkauf stieg 2025 nominal um 3,2 Prozent auf 83,12 Milliarden Euro. Davon entfielen 72,0 Milliarden Euro auf Leasing und 11,1 Milliarden Euro auf Mietkauf. Quelle: BDL/IW Köln.
Welche Branchen nutzten Leasing am stärksten?
Größte Kundengruppe war mit einem Anteil von 41 Prozent am Neugeschäft 2025 der Dienstleistungssektor, gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe (14 Prozent) und dem Handel (11 Prozent). 85 Prozent aller Leasing-Verträge wurden mit mittelständischen Unternehmen abgeschlossen. Der Anteil der privaten Haushalte lag bei 10 Prozent.
Leasten auch Privatpersonen?
Ja, vor allem Fahrzeuge. Private Haushalte machten im Jahr 2025 10 Prozent des Mobilien-Neugeschäfts aus und leasen fast ausschließlich Pkw. Beim Dienstradleasing ist formal der Arbeitgeber der Leasing-Nehmer, auch wenn das Fahrrad vom Arbeitnehmer genutzt wird.
Warum wächst das Leasing von Elektroautos so stark?
Rund zwei Drittel aller neu zugelassenen batterieelektrischen Pkw (BEV) kamen 2025 in Deutschland über Leasing auf die Straße. Leasing senkt die Einstiegshürde bei höheren Anschaffungspreisen und gibt Unternehmen die Flexibilität, bei schnell weiterentwickelter Technologie nach Vertragsende das Modell zu wechseln. Investitionsrisiken werden so verringert.
Was war das häufigste Motiv für Leasing?
Die Rückgabemöglichkeit nach Vertragsende. Laut der GIM-Unternehmensbefragung „Leasing in Deutschland 2025" im Auftrag des BDL führte dieses Argument die Leasing-Motive an: Das genutzte Wirtschaftsgut wird zurückgegeben oder gegen ein neueres Modell getauscht. Kein Unternehmen muss z. B. seinen Firmenwagen selbst auf dem Gebrauchtmarkt verkaufen oder mit veralteten Maschinen weiterarbeiten, weil das Budget für eine Neuinvestition fehlt.
Warum wählten Unternehmen Leasing für Nachhaltigkeitsinvestitionen?
Weil Leasing Geschwindigkeit und Flexibilität verbindet. 65 Prozent der Unternehmen finanzierten nachhaltige Investitionen über Leasing, zeigt die GIM-Unternehmensbefragung 2025. Elektrofahrzeuge, Photovoltaikanlagen, energieeffiziente Maschinen – bei Technologien, die sich schnell weiterentwickeln, ist die Option zum Tausch am Laufzeitende ein konkreter Vorteil gegenüber dem Kauf.
Kann Leasing auch für Sicherheits- und Verteidigungsinvestitionen genutzt werden?
Ja – nicht für Waffensysteme, aber für die Infrastruktur dahinter: Produktionsmaschinen bei Rüstungszulieferern, IT-Systeme, Logistikfahrzeuge, Ausstattung für Behörden mit Sicherheitsaufgaben. Leasing ermöglicht schnelle Beschaffung, planbare Kosten und technische Aktualität durch Austausch am Laufzeitende.